

Dürfen Behörden Halterdaten an private Parkplatzbetreiber herausgeben?
VG Schleswig, Beschluss vom 19.9.2023, Az. 10 B 78/23
Wenn nichts hilft, dann hilft vielleicht der Datenschutz. So oder ähnlich mögen die Gedanken sein, wenn ein Betroffener – unter Hinweis auf die datenschutzrechtlichen Bestimmungen – die Ahndung eines begangenen Verstoßes verhindern möchte. Wenn die Bußgeldstelle Anfragen ins Blaue hinein getätigt haben sollte, kann das auch funktionieren (OLG Koblenz, Beschl. v. 02.10.2020, Az. 3 OWi 6 SsBs 258/20). Das war es dann aber auch schon so ziemlich.
Die Weitergabe von Daten zwischen Behörden kann gestattet sein!
Denn unabhängig von der Frage, ob der sachliche Anwendungsbereich der DSGVO in Ordnungswidrigkeitenverfahren überhaupt eröffnet ist (OVG Koblenz, Beschl. v. 20.06.2023, Az. 7 B 10360/23), stuft die Rechtsprechung die Preisgabe persönlicher Daten von Fahrzeugführern gegenüber Polizei- oder Bußgeldbehörden als zulässig ein.
Die Begründung hierfür liegt in Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO und darin, dass die Weitergabe ist zur Wahrung berechtigter Interessen der Behörden, d.h. eines Dritten im Sinne von Art. 4 Nr. 10 DSGVO, zulässig ist (vgl. VG Regensburg, Urt. v. 17.04. 2019, Az. RN 3 K 19.267). Außerdem haben Behörden ein berechtigtes Interesse daran, die ihnen obliegenden Aufgaben zu erfüllen, zu denen eben auch die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten gehört (vgl. BayVGH, Beschl. v. 22.07.2022, Az. 11 ZB 22.895). Für das Führen von Fahrtenbüchern und die damit verbundene Datenerhebung gilt dasselbe (vgl. BayVGH, Beschl. v. 30.11.2022, Az. 11 CS 22.1813; ferner OVG Hamburg, Beschl. v. 01.12.2020, Az. 4 Bs 84/20)
Die Herausgabe von Halterdaten an Grundstückseigentümer kann zulässig sein!
Das OLG Schleswig hat in einem Beschluss vom 19.09.2023 (Az. 10 B 78/23) festgestellt, dass die Bußgeldbehörde die Halterdaten auch im Zusammenhang mit Parkverstößen auf privaten Grundstücken herausgeben darf.
Vorausgegangen war ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen eines privaten Parkplatzbetreibers. Dieses gestatteten auf einem Kundenparkplatz eine Höchstparkdauer von einer Stunde. Für das Fahrzeug des Betroffenen hatte die Parküberwachungsanlage jedoch eine Parkdauer von einer Stunde und 20 Minuten erfasst. Um die Ahndung des Verstoßes zu ermöglichen, hatte die Zulassungsbehörde die Halterdaten an die Betreiberin des Parkplatzes herausgegeben. Der Betroffene hielt dies für unzulässig.
Bei der Nutzung von Privatparkplätzen besteht ein straßenverkehrsrechtlicher Zusammenhang!
Der Betroffene meinte, bei der Nutzung eines privaten Parkplatzes bestehe kein Zusammenhang mit der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr. Behörden seien daher nicht befugt, Halterdaten auf der Grundlage von § 39 StVG, das als bereichsspezifisches datenschutzrechtliches Spezialgesetz einzustufen sei, herauszugeben.
Das Gericht sah das anders. Es stimmte dem Betroffenen zwar insoweit zu, als auch eine einfache Registerauskunft nach § 39 Abs. 1 StVG einen Zusammenhang mit dem Straßenverkehr erfordere, da sonst der Schutzzweck des § 39 Abs. 1 StVG nicht erfüllt sei.
Diese Voraussetzung sah es aber als gegeben an. Entscheidend sei die sog. „faktische Öffentlichkeit“, die bei allgemein zugänglichen Kundenparkplätzen gegeben ist (vgl. VG Gießen, Urt. v. 03.03.1999, Az. 6 E 81/98 (1); VG Bayreuth, Beschl. v. 02.12.2020, Az. B 1 E 20.1231), soweit sie der Allgemeinheit zu Verkehrszwecken offenstehen und grundsätzlich von jedermann genutzt werden können.
Hinzu kommt, dass unberechtigtes Abstellen eines Fahrzeugs auf einem Kundenparkplatz als verbotene Eigenmacht im Sinne von § 858 Abs. 1 BGB gewertet werden kann (vgl. BGH, Urteil vom 4. Juli 2014, Az. V ZR 229/13). Und wenn die Nutzungsregeln nicht eingehalten werden, können Besitzer dieser Parkflächen, sofern sie sich dadurch in ihren Besitzrechten an der privaten Parkplatzfläche verletzt sehen, die sich daraus ergebenden, in den Nutzungsbedingungen festgelegten Forderungen geltend machen.
Fazit und Zusammenfassung
Besteht ein straßenverkehrsrechtlicher Bezug, wie dies bei allgemein zugänglichen Kundenparkplätzen der Fall ist, dürfen Behörden die Halterdaten nach Verstößen gegen die dort aufgestellten Nutzungsregeln an den Besitzer / Betreiber der Parkfläche herausgeben. Was die Berechtigung der Zahlungsaufforderung als solche betrifft, steht der Weg zu den Zivilgerichten offen.
Abschließend hat das VG Schleswig in seinem Beschluss noch darauf hingewiesen, weitere Datenübermittlungen könnten durch die Einhaltung der jeweiligen Nutzungsbedingungen vermieden werden 😉
Übrigens
Nach § 24 Abs. 2 Satz 1 Nummer 1 PAuswG dürfen Behörden auf deren Ersuchen Daten aus dem Personalausweisregister übermitteln, wenn die ersuchende Behörde
aufgrund von Gesetz oder Rechtsverordnung berechtigt ist, solche Daten zu erhalten. Dies sind etwa Strafverfolgungsbehörden und Verwaltungsbehörden im Ordnungswidrigkeitsverfahren auf Basis der vom §§ 161,163b StPO; 35, 46 Abs. 1 0WiG erhaltenen Ermächtigungsgrundlagen.
AG Frankfurt am Main, Urt. v. 11.04.2023, Az. 994 OWi – 359 Js 13613/23
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(Veröffentlichungsdatum: 14.11.2023)
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